Aufschlagregeln im Badminton: Was ist erlaubt, was nicht?

Kein Schlag im Badminton ist so genau geregelt wie der Aufschlag – und bei keinem wird im Freizeitspiel so oft (unwissentlich) geschummelt. Die Logik hinter dem Regelpaket ist einfach: Der Aufschlag soll den Ballwechsel eröffnen, nicht ihn direkt entscheiden. Deshalb muss er von unten kommen, deshalb sind Täuschungen verboten, deshalb ist sogar die Schlägerhaltung geregelt. Hier ist das komplette Paket – inklusive der Feinheiten, über die auch erfahrene Spieler:innen stolpern.
Die Grundregeln beim Aufschlag
- Diagonal: Aufgeschlagen wird immer schräg ins gegenüberliegende Aufschlagfeld – bei geradem eigenen Punktestand von rechts, bei ungeradem von links. Beide müssen innerhalb ihrer Felder stehen, ohne die Begrenzungslinien zu berühren.
- Von unten – die 1,15-Meter-Regel: Der gesamte Ball muss im Moment des Treffens unterhalb von 1,15 Metern über dem Hallenboden sein. Auf Turnieren kontrolliert das ein Aufschlagrichter mit einer Messlehre auf Augenhöhe.
- Beide Füße am Boden: Aufschläger und Rückschläger müssen mit einem Teil beider Füße in Kontakt mit dem Boden bleiben, bis der Ball geschlagen ist – kein Schritt, kein Nachziehen, kein Sprung.
- Eine durchgehende Bewegung: Vom Beginn des Ausholens bis zum Treffen muss die Bewegung in einem Zug nach vorn erfolgen. Antäuschen, Abstoppen, doppeltes Ausholen („Pumpen“) – alles Fehler.
- Der Kork zuerst: Getroffen werden muss zuerst die Basis des Balls, nicht die Federn. Der „Sichel-Aufschlag“, bei dem die Federn zuerst getroffen werden und der Ball unberechenbar trudelt, ist seit Jahrzehnten verboten.
- Kein Zeitspiel, keine Täuschung vor dem Start: Sobald beide bereit sind, darf der Aufschlag nicht unnötig verzögert werden. Als Beginn gilt die erste Vorwärtsbewegung des Schlägerkopfs – ab da gibt es kein Zurück.

Woher kommt die 1,15-Meter-Regel?
Jahrzehntelang galt eine relative Grenze: Der Ball musste unterhalb der Taille getroffen werden (definiert als Höhe der untersten Rippe), zusätzlich musste der Schlägerkopf zum Zeitpunkt des Treffens abwärts zeigen. Das Problem: Bei einem 1,95-m-Spieler liegt die Taille deutlich höher als bei einer 1,60-m-Spielerin – große Spieler konnten also flacher und aggressiver aufschlagen, und die Schiedsrichter-Entscheidung war schwer nachprüfbar. Die BWF führte deshalb ab 2018 die feste, messbare Höhe von 1,15 m ein, die inzwischen Standard ist. Im Vereinsalltag ohne Messgerät bleibt „deutlich unterhalb der Taille, Schlägerkopf unter der Hand“ die praktikable Faustregel – wichtig ist vor allem, dass der Aufschlag erkennbar von unten kommt.
| Bis 2018 | Seit 2018 | |
|---|---|---|
| Grenze | unterhalb der Taille (unterste Rippe), Schlägerkopf abwärts | der ganze Ball unter 1,15 m über dem Boden |
| Schwäche / Stärke | abhängig von der Körpergröße, kaum nachprüfbar | für alle gleich, mit Messlehre prüfbar |
| Im Vereinsalltag | ohne Messgerät gilt: deutlich unter der Taille, Schlägerkopf unter der Hand, erkennbar von unten | |
Diese Aufschläge sind gültig – auch wenn sie sich unfair anfühlen
- Der Netzroller: Berührt der Aufschlag die Netzkante und fällt ins richtige Feld, zählt er ganz normal. Anders als beim Tennis gibt es keine Wiederholung – und keinen zweiten Aufschlag.
- Der Aufschlag auf die Linie: Linien gehören zum Feld. Ein Ball auf der vorderen Aufschlaglinie oder der Seitenlinie ist drin.
- Der Rückhand-Aufschlag: Ob Vorhand oder Rückhand ist egal – solange Höhen- und Bewegungsregeln eingehalten werden. Im Doppel ist die Rückhand-Variante längst Standard.
- Der Flick: Die Überraschung aus dem Handgelenk ist erlaubt – die „eine durchgehende Bewegung“ bezieht sich auf das Abstoppen, nicht auf die Schlaghärte.
Die Aufschlagfelder: Einzel und Doppel unterscheiden sich
Das Aufschlagfeld ist nicht das ganze Feld – und es ist in beiden Disziplinen unterschiedlich geschnitten:
- Einzel: lang und schmal. Es zählt bis zur hinteren Grundlinie, aber ohne die äußeren Seitenbahnen.
- Doppel: kurz und breit. Die volle Breite zählt, hinten begrenzt aber die vordere der beiden hinteren Linien (die Doppel-Aufschlaglinie). Der Ball auf die hinterste Linie – im Einzel gut – ist im Doppel aus.
Nach dem Aufschlag gelten diese Grenzen nicht mehr: Ab dem Return ist das Feld „normal“ groß (Einzel ohne Außenbahnen, Doppel komplett).
Und der Rückschläger?
Auch für die annehmende Seite gibt es Regeln: Der Rückschläger muss im diagonal gegenüberliegenden Feld stehen, beide Füße am Boden, und darf sich erst bewegen, wenn der Ball geschlagen ist. Zurückschlagen darf nur der Rückschläger – nimmt im Doppel der Partner den Aufschlag an, ist das ein Fehler. Und: Wer noch nicht bereit war, muss den Aufschlag nicht gelten lassen – wer aber einen Rückschlag auch nur versucht, galt als bereit.
Die häufigsten Aufschlagfehler in der Halle
- Zu hoher Treffpunkt – der Klassiker, oft aus Bequemlichkeit beim kurzen Aufschlag.
- Fuß auf der Mittellinie oder der vorderen Aufschlaglinie beim Aufschlag – Linienberührung ist ein Fehler.
- Abgestoppte Bewegung, wenn der Gegner früh startet – verständlich, aber regelwidrig. Die Antwort auf früh startende Gegner ist der Flick, nicht das Abstoppen.
- Falsches Aufschlagfeld nach Zählverwirrung – im Zweifel kurz den Spielstand klären, bevor aufgeschlagen wird (siehe Zählweise).
- Ball beim Treffen über der Taille beim „Drive-Serve“-Versuch – der flache Angriffsaufschlag ist nur regelkonform, wenn er trotzdem von unten kommt.
Ohne Schiedsrichter: Wie handhabt man das fair?
Im Punktspiel- und Vereinsalltag gibt es meist keinen Aufschlagrichter. Bewährte Praxis: Auffälligkeiten zwischen den Ballwechseln freundlich ansprechen („Dein Aufschlag kommt ziemlich hoch – achtest du mal drauf?“), nicht mitten im Punkt reklamieren. Fehler ruft grundsätzlich die Seite, auf deren Feldhälfte der Ball landet; bei echtem Zweifel wird der Ballwechsel wiederholt. So steht es sinngemäß auch in den Verhaltensregeln der Verbände – und so bleibt das Spiel das, was es sein soll.
Die Regeln im Wortlaut: BWF Laws of Badminton (Regel 9 behandelt den Aufschlag), deutsche Fassungen beim Deutschen Badminton-Verband. Die Technik dazu – kurz, lang, Flick – steht im Beitrag Der Aufschlag; sauber lernen lässt sich beides im KBC-Training.